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Wer bin ich?

Warum sich nicht anstecken lassen, von jemanden dessen Schaffensfreude sich auf Philosophie, Literatur, Musik und die eigene Lebensgestaltung ausdehnte? Friedrich Nietzsche (1844-1900) hält für das Entdecken der eigenen Persönlichkeit und das Aktivieren der gestalterischen Mittel einiges an Ideen und Inspiration bereit. Hier teile ich gerne ein Gedicht von ihm, eher wenig bekannt, das mich im Alter von etwa 25 Jahren genau traf und meine Gedanken auf die Reise zu einem rätselhaften Ort schickte - mir selbst. Viel Freude beim nach- und weiterdenken:

Bitte

Ich kenne mancher Menschen Sinn

Und weiß nicht, wer ich selber bin!

Mein Auge ist mir viel zu nah –

Ich bin nicht, was ich seh und sah.

Ich wollte mir schon besser nützen,

Könnt‘ ich mir selber ferner sitzen.

Zwar nicht so ferne wie mein Feind!

Zu fern sitzt schon der nächste Freund –

Doch zwischen dem und mir die Mitte!

Erratet ihr, um was ich bitte?

Was will ich?

Was auch immer dieses 'Ich' ist, häufig scheinen wir uns davon ablenken zu lassen. Ob wir es Vorurteile oder Glaubenssätze nennen, ob es gesellschaftliche oder soziale Zwänge sind oder die Notwendigkeiten des Lebens, in die wir unfreiwillig eingebunden sind. Können wir uns überhaupt davon lösen, ausreichend zumindest, um zu wissen, was wir wirklich selbst und nicht für jemand oder etwas anderes wollen? Keine einfache Frage und schon gar keine einfache Möglichkeit darauf zu antworten. Aber ich würde für die Möglichkeit einer Willensfreiheit argumentieren, also dafür, dass wir tatsächlich der Ursprung einer selbstgewählten Handlung sein können und dafür an Immanuel Kants Appell zum Selbstdenken erinnern:

„Selbstdenken heißt: den obersten Probierstein der Wahrheit in sich selbst (d. i. in seiner eigenen Vernunft) suchen, und die Maxime, jederzeit selbst zu denken, ist die Aufklärung. Dazu gehört nun eben so viel nicht, als sich diejenigen einbilden, welche die Aufklärung in Kenntnisse setzen; da sie vielmehr ein negativer Grundsatz im Gebrauche seines Erkenntnisvermögens ist und öfter der, so an Kenntnissen überaus reich ist, im Gebrauche derselben am wenigsten aufgeklärt ist. Sich seiner eigenen Vernunft bedienen, will nichts weiter sagen, als bei allem dem, was man annehmen soll, sich selbst fragen, ob man es wohl tunlich finde, den Grund, warum man etwas annimmt, oder auch die Regel, die aus dem, was man annimmt, folgt, zum allgemeinen Grundsatze seines Vernunftgebrauches zu machen. Diese Probe kann ein jeder mit sich selbst anstellen; und er wird Aberglauben und Schwärmerei bei dieser Prüfung alsbald verschwinden sehen, wenn er gleich bei weitem die Kenntnisse nicht hat, beide aus objektiven Gründen zu widerlegen." (Immanuel Kant: Was heißt: Sich im Denken orientieren?)


Was hält mich zurück?

Oftmals gibt es eine Idee, einen Wunsch oder ein konkretes Ziel, das man wirklich will. Und doch kommt es zu keiner Veränderung. Herauszufinden, was es ist, das einen bremst, zurückhält, fesselt, kann deshalb ein wichtiger Teil der Fortsetzung des persönlichen Lebenswegs sein. Zur Erinnerung an die eigenen Fähigkeiten zur Veränderung, der Fähigkeit ein Jemand zu werden und immer wieder einen Anfang machen zu können, teile ich gerne eine Formulierung von Hannah Arendt (1906-1975):

Weil jeder Mensch aufgrund des Geborenseins ein initium ist, ein Anfang und Neuankömmling in der Welt ist, können Menschen Initiative ergreifen, Anfänger werden und Neues in Bewegung setzen. […] Dieser Anfang, der der Mensch ist, insofern er Jemand ist, fällt keineswegs mit der Erschaffung der Welt zusammen; das, was vor dem Menschen war, ist nicht Nichts, sondern Niemand; seine Erschaffung ist nicht der Beginn von etwas, das, ist es erst einmal erschaffen, in seinem Wesen da ist, sich entwickelt, andauert oder auch vergeht, sondern das Anfangen des Anfangs oder des Anfangens selbst. Mit der Erschaffung des Menschen erschien das Prinzip des Anfangs, das bei der Schöpfung der Welt noch gleichsam in der Hand Gottes und damit außerhalb der Welt verblieb, in der Welt selbst und wird ihr immanent bleiben, solange es Menschen gibt; was natürlich letztlich nichts anderes sagen will, als daß die Erschaffung des Mensch als eines Jemands mit der Erschaffung der Freiheit zusammenfällt.“ (Hannah Arendt: Vita activa, S. 215)

Wie kann es weitergehen?

Wenn der Alltag ein bisschen an Farbe verloren hat und sich die gewohnten Tätigkeiten eher nach einem Hamsterrad anfühlen, gilt es neue Ideen zu entwickeln. Dazu kann es helfen, die Kreativität zu aktivieren und mit individuell passenden Methoden mental für frischen Wind zu sorgen. Gerne helfe ich bei der Suche nach Impulsen, die das Denken „out of the box“ bringen!

„Ein Traum ist unerläßlich, wenn man die Zukunft gestalten will.“ (Victor Hugo)


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